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Ro de Wals

Was bleibt von einem Menschen, wenn man sein Leben als lesbaren Raum versteht?Diese Frage begleitet meine Arbeit seit den frühen 1980er-Jahren.Ich male nicht, um Antworten zu geben.Ich male, um sichtbar zu machen, dass menschliches Dasein niemals abgeschlossen ist.Unter jeder sichtbaren Form liegen frühere Formen.Unter jeder Entscheidung frühere Möglichkeiten.Unter jedem Menschen andere Menschen, die er gewesen ist – und solche, die er hätte werden können.Der Mensch erscheint mir nicht als feste Identität.Er erscheint mir als Bewegung.Meine Bilder entstehen aus Überlagerung, Verdichtung, Übermalung und Wiederaufnahme. Nicht um etwas zu verdecken – sondern um sichtbar zu machen, dass Bedeutung nie auf der Oberfläche beginnt.Das Bild ruft.Das Wort antwortet.Das Wort ruft.Das Bild antwortet.Zwischen beiden entsteht jener Zwischenraum, in dem sich vielleicht etwas Menschliches zeigt:nicht als Gewissheit – sondern als Spur.                         Willkommen in der Bildwelt von                   Ro de Wals.

Bild – Wort – Codex

Die Fragilität des Seins

Ich verstehe den Menschen nicht als abgeschlossene Form.Nicht als Summe seiner Leistungen.Nicht als fertige Identität.Ich verstehe den Menschen als Codex.Ein Codex bewahrt Spuren.Er besteht aus Erinnerung, Erfahrung, Hoffnung, Irrtum, Entscheidung und Zeit. Er enthält Schichten – sichtbare und verdeckte –, ohne jemals vollständig gelesen werden zu können.Der Mensch ist nicht nur die Summe seiner Schichten.Er entsteht aus ihnen – und bleibt zugleich mehr als ihre Addition.Was wir Gegenwart nennen, ist vielleicht nur die gegenwärtige Lesart eines viel größeren Zusammenhangs.So entstehen auch meine Bilder.Sie werden nicht linear entwickelt. Sie entstehen durch Überarbeitung, Verdichtung, Übermalung, Verwerfung und Wiederaufnahme.Unter jeder sichtbaren Farbschicht liegen frühere Schichten.Nicht als Fehler.Nicht als Korrektur.Sondern als Voraussetzung dessen, was sichtbar werden konnte.Deshalb verstehe ich meine Arbeiten zugleich als Palimpseste.Das Palimpsest ist nicht das Werk.Es ist die Bewegung des Werkes.

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Mensch als Codex
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Ich übermale nicht, um etwas zu verstecken.Ich übermale, um etwas anderes sichtbar zu machen.Das Neue entsteht dort, wo frühere Schichten plötzlich anders gelesen werden.So verstehe ich auch den Menschen.Wir verändern uns nicht, indem wir unsere Geschichte verlassen.Wir verändern uns, indem wir sie neu lesen.Dieses Neulesen ist für mich keine Rückkehr zu einem verborgenen Ursprung.Es ist Begegnung.Begegnung mit Erinnerung.Begegnung mit Gegenwart.Begegnung mit ständigem Werden.Daraus entstand mein Gedanke der Fragilität des Seins.Fragilität bedeutet für mich nicht Schwäche.Sie beschreibt die menschliche Existenz als offenen Zustand:verletzlich, wandelbar, unvollendet – und gerade deshalb fähig zur Entwicklung.Die Bilder und die ihnen zugeordneten Texte folgen keinem illustrativen Prinzip.Das Bild erklärt das Wort nicht.Das Wort erklärt das Bild nicht.Erst in ihrer Brechung entsteht Bedeutung.Vielleicht bleibt von einem Menschen am Ende nicht sein Ergebnis.Vielleicht bleibt die Spur seiner Verwandlungen.Und vielleicht besteht die Würde des Menschen darin, niemals vollständig gelesen zu sein.                              Ro de Wals

Warum ich Ro de Wals heiße

Immer wieder werde ich gefragt, ob „Ro de Wals“ ein Künstlername mit biografischem, sprachlichem oder kunsthistorischem Hintergrund sei – und nicht selten werde ich im Internet mit anderen Namenskombinationen verwechselt.Die tatsächliche Entstehung ist einfacher – und vielleicht zugleich aufschlussreicher.Der Name entstand nicht im Atelier und nicht aus einem theoretischen Konzept.Er entstand in meiner Kindheit.Ende der 1950er-Jahre las ich neben meinen Eltern regelmäßig das damalige „Sternchen“, die Kinderbeilage des Magazins Stern. Dort gab es kleine Rätsel, Wortspiele und eine Art Geheimsprache für Kinder. Wörter wurden umgestellt, rückwärts gelesen oder in kleine Codes verwandelt. Besonders geblieben ist mir die spielerische Umkehrung des Satzes: „ufaug ena“ „ Augen auf „ (im Straßenverkehr).– eine Art Sprachspiel, das damals in kindlicher Logik plötzlich, wie eine Geheimschrift wirkte.Für mich war sofort klar:Zu einem Geheimbund gehört auch ein Geheimname.Also begann ich, meinen Geburtsort Walsrode umzuschreiben.Die exakte Umkehrung hätte etwas wie „Edorslaw“ ergeben.Das erschien mir schon damals wenig überzeugend.Also tat ich etwas, das ich heute rückblickend erstaunlich passend finde:Ich hielt mich nicht an die Regel.Ich nahm Fragmente, verschob die Ordnung, veränderte die Lesbarkeit – und formte daraus:Ro de Wals.Damals ohne tiefere Bedeutung.„Ro“ stand weder für Robert noch für Rolf.Es war einfach ein Name, der sich richtig anfühlte.Heute, viele Jahrzehnte später, erscheint mir diese kindliche Geste fast wie eine frühe Vorahnung meiner späteren Arbeit.Nicht das exakte Umkehren interessierte mich.Sondern das Verändern durch Neuordnung.Nicht das Kopieren.Sondern das andere Sichtbarwerden.Vielleicht begann dort – lange bevor ich es wusste – mein späterer Gedanke vom Menschen als Codex und vom Bild als Palimpsest.Etwas wird nicht ausgelöscht.Es wird neu gelesen.Und vielleicht ist „Ro de Wals“ bis heute genau das geblieben:kein Pseudonym.Sondern eine erste kleine Übermalung.                                                                     Ro de Wals

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Meine Bilder

Meine Bilder

Diese Bilder gehören zu einer Sammlung von 100 Werken, die ich seit 1980 in Acryl, Öl, Kreide und Montagetechniken erschaffe. Durch vielfache Übermalungen – teils bis zu 20-mal, oft unter Beibehaltung der ursprünglichen Titel – erhält jedes Werk seinen einzigartigen Charakter.

Ro de Wals

Ro de Wals

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Das Leben - ein absurdes Spiel ohne Regeln. Ein Narr genügt, und der Abgrund wird sichtbar. 

Acryl auf Leinwand, 90 x 120cm, Basel / Theesen, 2017 / 2024, Ro de Wals 

...nicht im Bleibenden, sondern im ständigen Werden. Acryl auf Leinwand, 80 x 100cm, Berlin / Theesen 1983 / 2024

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In der Tiefe tanzt der Schatten, den das Leben verdrängen wollte.

Acryl auf Leinwand, 90 x 120cm, Basel / Theesen, 2005 / 2026, Ro de Wals 

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Si vis pacem, para bellum!?

Acryl auf Leinwand, 80 x 100cm, Berlin / Theesen 1986 / 2023

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Die Feinsten betonen, dass der Übermensch sich heute durch Algorithmen auch ohne Kopf optimiert. 

Acryl, Collage auf Leinwand, 150 x 200cm, Theesen 2011 / 2023, Ro de Wals

BeTrumpet Ein waghalsiges Überschrei- ten, ein entschlossenes Vorangehen, kein verzagtes Zurückblicken - der Über- mensch, zur Maschine seiner Selbst geworden.

Acryl auf Leinwand, 80 x 100, Montreal Theesen 1990 / 2017, Ro de Wals  

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Acryl, Collage auf Leinwand, 90 x 120cm, Montreal / Theesen 1990 / 2023, Ro de Wals 

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Wenn die Elemente an unser Ich hämmern, zittert es vor dem Echo des Seins.

Acryl auf Leinwand, 80 x 100cm, Theesen 1989 / 2019

Wo Zeit zur Verbundenheit wird

Acryl auf Leinwand, 89 x 119cm, Berlin 1981 Ro de Wals

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(arte) facte d - (moll)

Acryl auf Leinwand, 80 x 100cm, Berlin / Theesen 1986 / 2022, Ro de Wals

Im Zweifel öffnen wir das Tor zu unendlichen Fragen - ein stiller Spiegel, ewig reich, lädt uns zum Selbst entdecken ein. 

Acryl, auf Leinwand, 90 x 119cm, Basel/ Theesen 2016 / 2024, Ro de Wals

Irgendwann folgte die Menschheit dem Rat des Rades, das sich selbst nie verstand. 

Acryl, Montage auf Leinwand, 80 x 100cm, Berlin / Theesen, 1981 / 2026, Ro de Wals 

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Machiavelli

Acryl auf Pressplatte, 87 x 97cm, Theesen 2011 / 2022, Ro de Wals

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Auf wankenden Gliedern tanzt das Dasein: welches formt und zugleich zerbricht. 

Acryl, auf Leinwand, 90 x 119cm, Basel/ Theesen 2015 / 2023, Ro de Wals

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Die Natur schreit - doch der Mensch zählt Wolken und hält sie für Gedanken. Acryl auf Leinwand, 80 x 100cm, Berlin / Theesen 1983 / 2025

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Wahrheiten Acryl auf Leinwand, 75 x 100cm, Theesen 2016 / 2019

Sie flog, weil Schweigen keine Richtung hatte. Collage, Acryl auf Leinwand, 80 x 100cm, Berlin / Theesen 1986 / 2023

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Can Can Acryl auf Leinwand, 80 x 100cm, Berlin / Theesen 1985 / 2024, Ro de Wals 

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Der letzte Mensch kehrt zu seinen Wurzeln zurück. Acryl Collage auf Leinwand, 71 x 81cm, Theesen 1991 / 2016, Ro de Wals 

Salome

Acryl auf Leinwand, 80 x 100cm, Berlin / Theesen 1982 / 2022, Ro de Wals 

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Jo-Jo Acryl auf Leinwand, 80 x 100cm, Berlin / Theesen 1984 / 2020, Ro de Wals 

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Die Last des Sichtbarwerdens. Acryl  auf Leinwand, 80 x 100cm, Berlin /Theesen 1983 / 2026

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Jenseits des Wortes - ist kein Begreifen, nur Echo im Staub des Menschlichen. Acryl,  Collage auf Leinwand, 80 x 100cm, Berlin/Theesen 1985 / 2017

Das Krokodil nickt höflich - und wir nennen das Moral. Acryl Collage auf Leinwand, 75 x 100cm, Basel / Theesen 2008 / 2025, Ro de Wals 

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Sehnsucht - Angeschwemmtes von SPO`s Spülsaum. Acryl auf Leinwand, 70 x 100cm, Basel / Theesen, 2017 / 2024, Ro de Wals

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Der Mensch - verdammt sein eigener Gott zu sein. Acryl Collage auf Leinwand, 80 x 100cm, Berlin / Theesen 1981 / 2012, Ro de Wals 

Der Mensch: ein Relikt in Bronze - die Natur: ein gepeinigter Statist. Acryl auf Leinwand, 80 x 100cm, Montreal / Theesen 1989 / 2009, Ro de Wals 

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Vita

Ro de Wals

Vita: 

- Jahrgang 1949,

- berufliche Tätigkeiten: Deutschland (Düsseldorf, Berlin), USA (Cleveland), Canada (Montreal),

- lebt in NRW

 

Warum ich male wie ich male

Wenn ich gefragt werde, warum ich male, fällt es mir schwer, eine einfache Antwort zu geben.Vielleicht, weil die Malerei nie eine Entscheidung war.Eher eine langsame Erkenntnis.Mein erstes Leben verbrachte ich überwiegend im Operationssaal. Über vier Jahrzehnte arbeitete ich als Chirurg in einem Beruf, in dem Verantwortung nicht abstrakt ist, sondern konkret. Dort lernt man früh, dass Fehler Folgen haben und Sicherheit kein Gefühl, sondern eine Haltung ist. Man lernt zu entscheiden, zu handeln, zu korrigieren. Man versucht, Ordnung in das Fragile zu bringen.Und dennoch blieb etwas offen.Nicht aus Mangel.Eher aus dem Gefühl, dass der Mensch sich nicht vollständig in Befunden, Diagnosen oder Funktionen erschöpft.Schon früh begann ich deshalb zu malen.Nicht als Gegenwelt zur Medizin.Eher als ihr anderer Blick.Dort, wo die Medizin nach Präzision sucht, durfte die Malerei offen bleiben.Dort, wo Entscheidungen endgültig sein mussten, durfte etwas entstehen, das sich verändern konnte.Viele meiner Bilder wurden mehrfach überarbeitet.Manchmal zehnmal.Manchmal zwanzigmal.Lange erschien mir das wie Unsicherheit.Heute verstehe ich es anders.Ich übermale nicht, um etwas zu verstecken.Ich übermale, um etwas anderes sichtbar zu machen.Mit der Zeit wurde mir bewusst, dass dieser Vorgang mehr über mein Denken aussagte als jedes fertige Bild.Unter jeder Schicht blieb etwas erhalten.Nicht sichtbar – aber wirksam.Wie Erinnerungen.Wie Entscheidungen.Wie frühere Versionen unserer selbst.So entstand mein Gedanke vom Menschen als Codex.Nicht als fertiger Text.Sondern als lesbarer Zusammenhang aus Schichten.Und aus dieser Vorstellung entwickelte sich später die Idee des Palimpsests:Dass das Neue nicht entsteht, weil das Alte verschwindet.Sondern weil es neu gelesen wird.Ich glaube heute:Der Mensch verändert sich nicht dadurch, dass er jemand anderer wird.Er verändert sich dadurch, dass er anders versteht, wer er gewesen ist.Deshalb gehören Bild und Wort für mich zusammen.Das Bild zeigt nicht.Das Wort erklärt nicht.Beide stören sich gegenseitig.Beide öffnen Bedeutung.Die poetischen Texte zu meinen Bildern sollen keine Titel sein.Sie sind Gegenstimmen.Irritationen.Ein zweiter Raum.Vielleicht entsteht genau dort etwas, das ich über Jahrzehnte gesucht habe:kein Ergebnis,sondern Resonanz.Heute, im sogenannten zweiten Leben, male ich nicht mehr als Ausgleich.Ich male als Form des Denkens.Und wenn ich auf die vielen Bilder zurückblicke, sehe ich nicht Entwicklung im Sinn eines Fortschritts.Ich sehe Spuren.Spuren dessen, was ich war.Spuren dessen, was ich nicht geworden bin.Und Spuren dessen, was noch immer offen ist.Vielleicht male ich deshalb noch immer:Nicht um die Welt festzuhalten.Sondern um ihr beim Werden zuzusehen.                                                                                                                                                                Ro de Wals

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